Montag, 15. Februar 2010

Unruhe

Eine ungewisse Unruhe treibt mich heute durchs Leben, wie ein Stück Treibholz durchs Meer. Rastlos rinne ich durch den Tag, kann kaum etwas geniessen, weiss nichts mit mir anzufangen.

Immernoch auf der Suche nach einem Outfit, das mich widerspiegelt und dem Ereignis "Vorstellungsgespräch" angemessen ist. Beim Streifzug durch meinen Kleiderschrank festgestellt, dass ich keinerlei Bluse mehr besitze. Wozu auch? Beim Umzug vor einem Jahr wandelte sich meine Garderobe gerade, der Job hatte keine feste Formen, ich konnte anziehen, was ich wollte. Und ich wollte Kleidung, die mein Ich widerspiegelte. Das Jahr war bunt irgendwie, in jederlei Hinsicht.

Meine Unruhe treibt mich in die Stadt, ich gehe in einen Laden, lasse die Fingerspitzen an den Kleiderbügeln und Stoffen entlangfahren. Lasse mich treiben. Die meisten Farben sind nicht passend, zu grell, zu langweilig, die Form zu OMArig.

Bis ich auf eine Bluse stoße. Grau ist sie. Dezent. Eine andere Schnittführung. Ein wenig aussergewöhnlicher für eine "normale" Bluse. Sie gefällt mir und ist zufällig als Einzige nur noch in meiner Grösse da, oder aber in Form eines Zwei-Mann-Zeltes.
Wir gehen in die Umkleidekabine und ich muss feststellen, dass zwei Knöpfe fehlen. Macht nichts, nähen kann ich ja!

Ich bekomme sie zu einem reduzierten Preis und verlasse den Laden wieder. 

Knöpfe. Damit könnte ich das Blüschen doch aufhübschen. Ein wenig bunter machen. Dieser Gedanke beflügelt mich, grüne Accessoires zu einer grauen Hose mit grauer Bluse, an der Bluse frühlingsfrische grüne Knöpfe, vielleicht noch eine Stickerei? 

Der erste Laden hält wunderbar kitschige Kinderknöpfe bereit, in vielerlei Form: Herzen, Äpfel, Igel. Die Igel sind sehr süss, aber rot. Und so richtig sprechen sie mich nicht an. Ich gehe weiter.

Der nächste Laden hat so GARnichts was mich anspricht. Ausser wieder rote Herzen, aber ich will ja grün.

Der dritte und letzte Laden hat genau das, was ich mir vorgestellt habe. Stoffüberzogene grüne Augenweiden. Sie muten weich an, klein und knubbelig. Und der unschlagbare Preis von 20 cent das Stück lassen mich zugreifen. 12 Stück, hatte ich erwähnt, dass ich Knöpfe annähen so ähnlich toll finde, wie Komposthaufen umgraben? Aber dies ist mir egal.

Und obwohl ich zufrieden bin mit meiner Ausbeute treibt mich noch immer die Unruhe weiter. Ich laufe hierhin, gehe dahin. Kann die Sonne in meinem Gesicht geniessen, aber das Herz ist haltlos.
Plötzlich stehe ich vor einem sehr guten Freund, er schliesst mich in die Arme und fragt, was denn mit mir los sei. 
"Die grosse Flatter". 
Er schliesst mich nochmal in die Arme und hält mich fest, gibt mir Halt. Sagt ruhig alles wird gut und ich glaube ihm! Ich kann auftanken, mich ein wenig beruhigen. Ein Hafen, der zu mir gekommen ist. Freunde über alles! DANKE!

Nach vierstündigem durch die Stadt Gerenne tun mir die Füsse weh, ich spüre sie nun endlich auch und ich beschliesse, dass ich heute alles erledigt habe, was ich konnte.

Ich besorge mir etwas zu essen, das hatte ich bei meinem Gewaltmarsch irgendwie fast vergessen und gehe in den Kindergarten. Die Unruhe treibt mich immernoch. Ich bin viel zu früh für die Abholzeit meines Sohnes da, bin immernoch das Stück Treibholz und werde aber auch hier aufgefangen. Mit Freude werde ich begrüsst, eingeladen mein Essen doch in der Gruppe zu mir zu nehmen, die Kinder essen auch gerade. Ich setze mich an einen kleinen Tisch mit kleinem Stuhl, 15 Kinder schauen mich neugierig an. 
"Isst du jetzt mit uns?" "Willst du neben mir sitzen?" "Was hast du denn da zu essen dabei!" "Darf ich das mal probieren?"
Ich sitze in mitten dieser kleinen quirligen Kerle, esse viel länger als die Kinder. Die meisten stehen schon auf und je bunter es um mich rum wird, umso ruhiger werde ich.
Die Kinder spielen, lachen, rennen, streiten, schreien, ein wildes Miteinander und ich kann der Unruhe Lebewohl sagen. Satt und viel ruhiger kann ich mit meinem Sohn diesen lebendigen Ort verlassen, geniesse zu Hause schöne Malstunden mit meinem Kind...

Was für ein Tag.

Wie soll das bloss morgen werden?

Kommentare:

  1. Ich drücke dir die daumen - du schaffst das!!

    glg ela

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  2. Ich weiß ja nicht, ob du glaubst... ich tu's und solche Momente, wie du sie beschreibst - aufgefangen, gehalten zu werden, wenn man es gerade dringend braucht - sind für mich reine Gottesgeschenke. Geschickte Engel, die mir gut tun sollen. Das löst Dankbarkeit und Glück in mir aus :)

    Schön, dass es diese Momente heute für dich gab. Morgen klappt das bestimmt auch *mutmach*

    Ganz liebe Grüße... vom Schäfchen

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  3. Ich drück Dir auch ganz feste die Daumen;)Das wird schon-ganz sicher!

    Liebe Grüße
    Nicole

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